Vertrags-Praxis 3. Juni 2026 6 Min. Lesezeit

Festpreis vs. Stundensatz — was Hausverwaltungen wirklich sparen

Festpreis fühlt sich sicher an, Stundensatz fühlt sich flexibel an. Aber in der Praxis ist es selten so einfach — und Hausverwaltungen zahlen oft mehr, als sie müssten.

Die zwei Welten

Es gibt zwei Modelle, wie Handwerksleistungen für Hausverwaltungen abgerechnet werden: Festpreis (oft auch Pauschal- oder Werkvertragspreis genannt) und Stundensatz (oft als Regiearbeit oder Aufwandsabrechnung).

In der Theorie ist klar: Festpreis = Kostenkontrolle, Stundensatz = Flexibilität. In der Praxis ist es komplizierter. Verwaltungen, die nur nach „Festpreis" suchen, zahlen oft drauf, weil das Angebot vom Handwerker für Worst-Case kalkuliert ist. Verwaltungen, die nur nach Stundensatz arbeiten, zahlen oft drauf, weil keine Mechanismen den Aufwand begrenzen.

Wann Festpreis klar besser ist

Festpreis lohnt sich, wenn der Auftragsumfang vorher klar definiert werden kann. Das gilt für die meisten HV-Aufträge:

Bei diesen Aufträgen ist Festpreis fast immer die bessere Wahl: klare Kostenkontrolle, Termindruck beim Handwerker, vergleichbare Angebote.

Wann Stundensatz besser sein kann

Stundensatz macht Sinn, wenn der Auftragsumfang nicht vorher klar ist:

Bei Stundensatz ist Vertrauen der entscheidende Faktor. Und ein Kostendach sollte trotzdem vereinbart sein: „Maximal 8 Stunden, danach Rücksprache."

Die typischen Festpreis-Fallen

Falle 1: Worst-Case-Kalkulation

Wenn der Handwerker keine sichere Erstaufnahme machen kann, kalkuliert er Risiken ein. Bei einer 2-Zimmer-Renovierung kann das 20-40% Aufschlag sein. Lösung: vor dem Festpreis-Angebot eine ordentliche Erstaufnahme machen lassen — auch wenn das Zeit kostet.

Falle 2: Vage Leistungsbeschreibung

„Wohnung renovieren" reicht nicht. Was genau? Welche Wände? Welche Materialien? Welche Standards? Ohne klare Spezifikation gibt es entweder Nachträge oder schlechte Qualität — manchmal beides.

Falle 3: Keine Nachtrags-Regelung

Auch im Festpreis können Überraschungen auftauchen (z.B. Schimmel hinter einer Wand). Die Vereinbarung sollte klar regeln: Nachträge nur nach schriftlicher Auftragserweiterung, niemals stillschweigend.

Die typischen Stundensatz-Fallen

Falle 1: Kein Kostendach

„Wir machen es nach Aufwand" ohne Obergrenze ist der häufigste Anfänger-Fehler. Immer Kostendach vereinbaren, ab dem Rücksprache kommt.

Falle 2: Stunden-Nachvollziehbarkeit fehlt

Ohne Stundenzettel pro Tag mit Tätigkeitsbeschreibung kann die Verwaltung die Rechnung nicht prüfen. Tagesreport ist Pflicht.

Falle 3: Hoher Stundensatz, niedrige Materialspanne — oder umgekehrt

Manche Handwerker spielen mit der Verteilung: 65 €/Stunde aber 100% Materialaufschlag, oder 95 €/Stunde aber Material zu Einkaufspreis. In der Endsumme oft gleich, aber Vergleichbarkeit leidet.

Was Hausverwaltungen vom Handwerksbetrieb verlangen sollten

Beim Festpreis

Beim Stundensatz

Praxis-Beispiel: Bad-Modernisierung

Eine durchschnittliche Bad-Modernisierung in München (4-6 m², Komplett-Erneuerung):

Stundensatz-Variante

Festpreis-Variante (alle Gewerke aus einer Hand)

Standard-Bad-Komplettsanierung Festpreis: ~14.500 € — mit Garantie, Foto-Doku, einem Ansprechpartner, einer Rechnung.

Differenz: ~1.700 € günstiger und keine Aufwandsunsicherheit.

Unsere Empfehlung für Hausverwaltungen

Für 90% aller HV-Aufträge: Festpreis nach ordentlicher Erstaufnahme. Klare Spezifikation, Foto-Doku inklusive, Nachtrags-Regelung schriftlich, Termin vertraglich fixiert.

Für die restlichen 10% (Notfall-Diagnose, Pilotprojekt, akute Wartung): Stundensatz mit Kostendach und Stop-Trigger.

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